Die Balinesen.

Unzählige zeitaufwendige Rituale bestimmen das Zusammenleben der Menschen auf der Insel, das hat sich auch im Zeitalter des Massentourismus nicht geändert.

Batara Guru ( der Große Lehrer ) und Gott Brahma beschlossen, dass die Erde von Menschen bevölkert werden sollte. Sie formten Körfer aus Lehm. Die ersten Versuche belustigen die beiden Götter : Als sie daran gingen, ihre Figuren in einem ofen zu brennen, kamen diese entweder zu weich oder zu hart gebrannt heraus. Beim letzten Versuch schließlich stimmte die Brenndauer und heraus kamen die goldbraunen Balinesen. So jedenfalls lautet der balinesische Schöpfungsmytos.

Die urbalinesische Gesellschaft, die heute noch die Bali Aga, eine Volksgruppe, die noch immer den uralten vorhinduistischen Traditionen folgt – repräsentieren, war animistischen Glaubensvorstellungen verhaftet. Die Bildung einer hinduistisch strukturierten Gesellschaft wurde von Mitgliedern der javanischen Oberschicht getragen, die vor der Islamisierung Javas nach Bali flohen – Tausende von Hindupriestern, Adeligen, Soldaten, Künstlern, und Handwerkern.
Die führende Schicht fand in der indischen Kultur die Weltanschauung und die Verwaltungstechniken, die ihren Zwecken entsprachen. So bekam die junge Gesellschaft ein theologisches und politisches System, das die Balinesen in schöpferischer Weise ihren eigenen Verhältnissen anpassten. Eigene Glaubensvorstellungen wurden in die indische Religion integriert. Hindugottheiten wurden übernommen, ohne die vertrauten Götter zu verbannen.
Zu dieser Zeit wurde auch das Kastensystem in Bali etabliert. Alle Balinesen – mit Ausnahme der Bali Aga – werden in eine Kaste hineingeboren. Die Angehörigen der obersten Kaste, der Priesterkaste, sind die Brahmanen, die den Titel Ida Bagus bzw. bei Frauen Ida Ayu tragen. Ihnen folgt die zweite Kaste – ursprünglich die Kaste der Herrschenden – die Satria, deren Angehörige den Titel Anak Agung, Dewa oder Cokorde tragen. Die Angehörigen der dritten Kaste, Wesya ( niederer Adel ), schmückt sich mit dem Titel Gusti. 97 % der Balinesen gehören allerdings der vierten Kaste, den Sudras, an. Im Gegensatz zu Indien spielt das Kastensystem nur eine untergeordnete Rolle. Heiraten ausserhalb der eigenen Kaste sind vor allem bei Angehörigen der oberen Kasten nicht gern gesehen, aber längst kein Tabu mehr.

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